Milchquoten
Der europäische Milchmarkt ist einer Quotenregelung unterworfen. Jeder Mitgliedstaat verfügt über eine nationale Produktionsquote, die er unter seinen Landwirten aufteilen kann. Wenn ein Mitgliedstaat seine Quote überschreitet, muss er eine Strafe an die EU leisten. Diese Strafe wird durch Zahlungen von denjenigen Landwirten finanziert, die ihre individuellen Produktionsquoten übertroffen haben.
Weiche Landung
Die EU hat in der GAP-Reform von 2009 beschlossen, dass die nationalen Quoten jedes Jahr um 1% erhöht werden sollen, um so deren Wert schrittweise abzusenken. Dies soll eine weiche Landung für den Sektor vorbereiten, wenn im Jahr 2015 die Quoten vollständig abgeschafft und die Produktion dem Markt überlassen wird.
Quoten erhöhen die Preise
Die Erhöhung und schlussendliche Abschaffung der Milchquoten ist von den Bauernverbänden scharf angegriffen worden. Doch die Quoten bringen verschiedene Nachteile für die Gesellschaft. Offensichtlich bedeutet eine niedrigere Produktion höhere Preise. Quoten steigern das Einkommen der Landwirte, aber das Geld kommt nicht vom Himmel, sondern aus den Taschen der Konsumenten. Zweitens führen höhere Milchpreise dazu, dass die EU weniger verarbeitete Milchprodukte exportiert, als dies ihr globaler Wettbewerbsvorteil sonst erlauben würde. Bei niedrigeren Milchpreisen würde die EU zum Beispiel mehr Käse exportieren. Drittens führen höhere Preise auf dem EU-Markt zu verstärkten Importen. Ein Teil der Zusatzzahlungen der Konsumenten fließt daher ins Ausland.
Quoten verzerren die Märkte
Nationale Produktionsquoten verzerren den europäischen Markt. Einige Mitgliedstaaten, wie Italien und Österreich, könnten – zu wettbewerbsfähigen Preisen – mehr Milch herstellen, als dies ihre Quoten erlauben. Andere Mitgliedstaaten werden von ihren Produktionsrechten dazu verleitet, mehr zu produzieren als sie dies unter freien Wettbewerbsbedingungen täten. Ebenso verfälschen die individuellen Quoten der Bauern die Milchproduktion innerhalb der Mitgliedstaaten. Wenig wettbewerbsfähige Bauern mit Quotarechten produzieren zu viel, während effiziente Hersteller eingeschränkt werden.
Quoten erfordern Verwaltungsaufwand
Die Mitgliedstaaten müssen ein Register über die Quotenverteilung führen und die Produktionsrechte eines jeden Farmers mit seiner tatsächlichen Produktion vergleichen. Außerdem werden Zahlungen von allen Milchproduzenten erhoben, um eine mögliche Strafe zu begleichen, falls der Mitgliedstaat seine nationale Quote übertrifft. Dieses Geld muss anschließend – abzüglich gegebenenfalls fälliger individueller Strafen – an die Bauern zurücküberwiesen werden. Den Landwirten entstehen zudem Kosten, wenn sie Verträge abschließen, um Nutzungsrechte von anderen Landwirten zu mieten oder zu kaufen (in jenen Mitgliedstaaten, in denen das überhaupt erlaubt ist), und Sie müssen das Risiko von Strafzahlungen in ihren Produktionsentscheidungen berücksichtigen.
Quoten sind unfair
Produktionsquoten sind nicht nur wirtschaftlich nachteilig, sondern auch unfair. Es herrscht weitgehende Übereinstimmung, dass Quoten sich nicht mit einer prosperierenden Marktwirtschaft vereinbaren lassen. Quoten können eingesetzt werden, um natürliche Ressourcen wie Fischbestände zu schützen, nicht jedoch, um das Einkommen bestimmter Berufsgruppen aufzubessern. Wieso sollten Milchbauern eine Vorzugsbehandlung gegenüber sonstigen Bauern und allen anderen Wirtschaftsakteuren genießen?
