Languages

Share

Bookmark and Share

 

Zölle

Der durchschnittliche Zollsatz der EU auf landwirtschaftliche Produkte beträgt 18% – mehr als das Vierfache der Zölle, die im Durchschnitt auf andere Güter erhoben werden. Alle EU-Zölle, die höher als 100% sind, treffen landwirtschaftliche Produkte, für Isoglucose beläuft sich der Zoll auf stolze 604%.

Zölle verzerren die Wirtschaft

Das wesentliche Problem liegt darin, dass Zölle die Marktsignale verfälschen, die sonst zu einer effizienten Verwendung der volkswirtschaftlichen Produktionsmittel führen würden. Ohne Zölle würde die EU weniger landwirtschaftliche Produkte, dafür mehr Industriegütern und Dienstleistungen erzeugen. Die EU wurde somit stärker von der internationalen Arbeitsteilung profitieren und sich auf jene Bereiche mit einer hohen Wertschöpfung spezialisieren, in denen die EU einen weltweiten Wettbewerbsvorteil besitzt.

Hinzu kommt, dass die unterschiedlichen Zollsätze auf Agrarprodukte die landwirtschaftliche Produktion selbst verzerren. Europäische Bauern richten sich danach aus, welche Produkte den höchsten Zollschutz genießen, und nicht, welche Produkte international wettbewerbsfähig sind. Diese Tabelle zeigt die Streuung der in der WTO vertraglich gebundenen Zoll(höchst)sätze der EU. Während 1569 Produkte mit weniger als 20% Zoll belastet werden, beläuft sich der Zollsatz für 149 Produkte auf mehr als 75%.

Zölle belasten (arme) Konsumenten

Die Agrarpolitik der EU hat die Preise für landwirtschaftliche Produkte im Jahr 2008 um 12% erhöht und damit den Konsumenten € 36 Milliarden gekostet. Dies trifft Haushalte mit geringem Einkommen besonders hart, da diese einen überproportionalen Anteil ihres Geldes für Lebensmittel ausgeben. Gemäß Eurostat gibt das ärmste Fünftel der EU-Haushalte 25% ihres Einkommens für Speisen, Getränke und Tabakwaren aus, wohingegen dieser Anteil nur 15% für das reichste Fünftel der EU Haushalte beträgt. Geringverdiener werden also am meisten in Mitleidenschaft gezogen.

Zölle benachteiligen (arme) Bauern im Ausland

Die Zölle, die rund um die Welt auf landwirtschaftliche Produkte erhoben werden, senken die Nachfrage und damit die Weltmarktpreise. Auf der einen Seite ist dies wünschenswert, da die Ärmsten in den Entwicklungsländern im Schnitt mehr landwirtschaftliche Produkte konsumieren als sie produzieren. Auf der anderen Seite leiden darunter arme Bauern und angestellte Arbeitskräfte in den Entwicklungsländern. Die reduzierte Nachfrage nach gering qualifizierter Arbeitskraft in der Landwirtschaft führt zudem dazu, dass die Löhne für gering qualifizierte Arbeiter in allen Wirtschaftsbereichen sinken. Es ist wahrscheinlich, dass der Nettoeffekt der EU-Agrarzölle die globale Armut verschärft.

Zölle untergraben die Stabilität des Weltmarktes

Die Märkte für landwirtschaftliche Produkte sind von Natur aus starken Schwankungen unterlegen. Den europäischen Markt von den Unwägbarkeiten des Weltmarktes abzukoppeln, mag insofern verlockend erscheinen. Allerdings schwanken die Preise auf einem inländischen Markt noch stärker als auf dem Weltmarkt, auf dem eine gute Ernte in Kasachstan oder den USA eine schlechte Saison in Europa ausgleichen kann. Da Zölle die Preise auf dem EU-Markt teilweise von den Weltmarktpreisen abkoppelt, können sie die Preisschwankungen auf dem EU-Markt verstärken.

Auf jeden Fall sind Zölle aus internationaler Sicht unverantwortlich. Sie werden in der EU oft als Festbetrag pro Kilo erhoben. Folglich steigen sie im Verhältnis zum Wert der importierten Ware, wenn deren Preis fällt. Das bedeutet, dass sie die europäische Nachfrage auf den Weltmärkten am stärksten einschränken, wenn die Preise am niedrigsten sind. Die Schwankungen der Weltmarktpreise werden so verstärkt, und die Weltmärkte können Preisschwankungen in den einzelnen Ländern weniger gut ausgleichen. Die Leidtragenden sind vor allem die Entwicklungsländer.

EU-Zölle behindern weltweit freieren Handel

Die Doha-Runde der Welthandelsorganisation ist mehrfach ins Stocken geraten, weil die EU ihre Zölle auf Agrarprodukte nicht ausreichend senken wollte. Außerdem rechtfertigen Entwicklungsländer ihre Barrieren gegen den Import von Industrieprodukten und Dienstleistungen mit dem Verweis auf den europäischen Agrarprotektionismus. Die Beseitigung der EU-Agrarzölle wäre daher ein wichtiger Beitrag zu einem freieren Welthandelssystem – und dies würde nicht nur den Reichtum der EU steigern, sondern auch im Kampf gegen die weltweite Armut helfen.